Roland Garros sagt Guga Au revoir!
Die außergewöhnliche Liebesbeziehung begann 1997, irgendwo auf den staubigen Außenplätzen des Stade Roland Garros. Ein 20jähriger Brasilianer, Nummer 66 der Weltrangliste, kämpfte sich Runde um Runde weiter im härtesten Grand Slam-Turnier der Welt. Nach Siegen über die ehemaligen French Open-Titelträger Thomas Muster und Yevgeny Kafelnikov stand Gustavo Kuerten schließlich im Finale. Dort traf er auf Sergi Bruguera, der Spanier hatte zu diesem Zeitpunkt bereits zweimal in Paris triumphiert.
Nicht so am 9. Juni 1997, als Kuerten den Spanier mit 6:3, 6:4, 6:2 bezwang. Mit dem schüchternen Lockenkopf aus Florianópolis war ein neuer Stern am Tennishimmel geboren, der sich für immer in die Herzen der Tennisfans in Roland Garros gespielt hatte.
Auch wenn das Verhältnis mit den Niederlagen in der 2. Runde (1998) und im Viertelfinale (1999) auf eine harte Probe gestellt wurde – fallengelassen hat das französische Publikum den Brasilianer nie. Und auch Kuerten gab nie auf, blieb Jahr für Jahr der Kämpfer, als der er sich 1997 so eindrucksvoll zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit präsentiert hatte.
Und er wurde belohnt: Im Jahr 2000 konnte „Guga“ den Triumph von 1997 wiederholen, diesmal als Nummer 5 der Setzliste, aber nicht weniger beeindruckend als drei Jahre zuvor. In der 3. Runde setzte sich der Brasilianer gegen einen weiteren Helden von Roland Garros durch, den Ex-Champion Michael Chang. Im Endspiel besiegte er den Schweden Magnus Norman mit 6:2, 6:3, 2:6, 7:6(6). Im gleichen Jahr konnte er auch den Masters Cup gewinnen und wurde im Dezember 2000 die Nummer 1 der Welt.
Nach Kuertens drittem Titel 2001 schien eine jahrelange Dominanz des Brasilianers mit deutscher Oma vorprogrammiert. Zu überlegen hatte er sich bis zum 6:7(3), 7:5, 6:2, 6:0-Finalsieg gegen Alex Corretja durchs Turnier gespielt.
Doch alles sollte anders kommen, denn mehrere Hüftoperationen zwangen ihn in den folgenden Jahren immer wieder zu langen Pausen, die Rückkehr auf den Tennisplatz wurde von Mal zu Mal mühsamer.
Die French Open 2008 sollten für Kuerten der letzte Grand Slam-Auftritt werden, und mit dem 3:6, 4:6, 2:6 in der 1. Runde gegen den Franzosen Paul-Henri Mathieu war das Kapitel „Roland Garros“ – und wohl auch das Unternehmen „Profi-Tennis“ für den Brasilianer am 25. Mai 2008 abgeschlossen.
Die gegenseitige Liebe und Dankbarkeit zwischen „Guga“ und seinem Publikum wird jedoch bestehen bleiben, das konnte man nicht zuletzt bei der vom französischen Tennisverband noch auf dem Court initiierten Verabschiedung erleben, als es wieder minutenlange Standing ovations für den inzwischen 31jährigen gab – ganz so, wie 1997, 2000 und 2001.
Au revoir, Guga!
Erstellt von: Tennisfan |
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